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Ideenwettbewerb für den Schönwalder Gedenkort

Am Volkstrauertag 2019 wollen wir in der frühreren Leichenhalle der Kirchengemeinde einen modernen "Mahnort ...

Rückblick

Bild_zum_Thema 07.06.2015

Damit wir klug werden ... - Pfadfinder helfen auf dem Kirchentag in Stuttgart

Am 2. Juni machten sich Nils Witt und ich, Moritz Dietzsch, mit 20 anderen Pfadfindern aus ganz Schleswig-Holstein auf nach Stuttgart zum 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Da es unser erster Kirchentagsbesuch sein sollte, waren wir entsprechend aufgeregt und voller Vorfreude. Als wir aber spontan unseren Wagon in eine Sängerrunde umfunktionierten, zu der sich nach und nach auch Pfadfinder aus anderen Bundesländern gesellten, fühlten wir uns schnell heimisch.
Bei unserer Ankunft am späten Abend wurden wir von der Hitze fast erschlagen. Ausgestattet mit Helferhalstuch, T-Shirt und Ausweis machten wir uns dann auf in unsere Helferschule, die für die nächsten 5 Tage unser Schlafplatz sein würde.

Nach der Abwechslungsreichen Helferbegrüßung in der Porsche-Arena am nächsten Morgen mit allen 4000 anderen ehrenamtlichen Helfer, und mit viel Dank für unsere kommende Arbeit ausgestattet, ging es zu unserem ersten Dienst auf dem Schlossplatz zum Eröffnungsgottesdienst und  dem Abend der Begegnung, wo wir bis in die späte Nacht hinein in brütender Hitze Besucher hindern sollten sich im Springbrunnen abzukühlen oder sich in die Blumenbeete zu setzen.

Unseren eigentlichen Einsatzort, das Zentrum Bibel, besuchten wir dann am Donnerstag das erste mal. Dort waren wir für die nächsten drei Tage zusammen mit Pfadfindern der DPSG aus Hessen für einen reibungslosen Ablauf aller Veranstaltungen im Zentrum Bibel zuständig. Neben der Eiweisung von gleichzeitig 900 Leuten für Bibelarbeiten oder dem Spülen von 400 Tellern für das Abschlussessen bleib auch noch Zeit für einen eigenen Besuch des Kirchentages, Konzerten und vielem mehr. Nachdem wir Sonntagmorgen um zwei Uhr die Abbaunacht beendet hatten und halb tot in unseren Zug fielen, stand trotzdem fest: In zwei Jahren wollen wir auf jeden Fall auch in Berlin dabei sein. Nur ganz so warm muss es dann nicht sein.

Moritz Dietzsch

Bild_zum_Thema 20.05.2015

Zeichen der Solidarität - Konfirmanden übergaben Kollekte an Syrische Flüchtlingsfamilie

Inzwischen leben zahlreiche Flüchtlinge in Schönwalde und Kasseedorf. Sie werden von einer großen Zahl von Ehrenamtlichen dabei unterstützt, sich möglichst gut in der neuen und ungewohnten Umgebung einzuleben. Als die Konfirmanden in diesem Jahr mit Pastor Dr. Arnd Heling über den Zweck der Kollekte im Konfirmationsgottesdienst entscheiden sollten, erinnerten sie sich an das Schicksal der Familie Hussein, die nach einer nervenaufreibenden und langen Flucht aus Syrien nun mit juristischer Unterstützung um ein Bleiberecht in Deutschland kämpft. 1.000 Euro kamen zur Deckung der Prozesskosten zusammen. Bei einer Zusammenkunft im Gemeindehaus erfuhren die Jugendlichen Details über die Flucht. Die Familie Hussein bedankte sich mit selbstgebackenen Küchlein nach einem Rezept aus der Heimat.

Von den Wirrungen der Flucht berichtet das Ehepaar Ruth und Holger Holst aus Eutin, die sich der fünfköpfigen Familie angenommen haben und den Vater in Deutsch unterrichten. Holger Holst war voll des Lobes für die Konfirmanden angesichts einer Entscheidung die ein Zeichen setze. Er war sich sicher: „Sie werden wiederbekommen, was Sie gegeben haben.“ Hier ginge es um Hilfe, Liebe und Zusammengehörigkeit.

Vor dem Bürgerkrieg in Syrien lebte die Familie in Damaskus. Der Vater hatte ein kleines Geschäft auf einem der Basare. Als Granaten im Wohnhaus einschlugen fasste man den Beschluss zur Flucht nach Deutschland. Die Eltern und Geschwister des Familienvaters leben bereits in Schleswig-Holstein. Bereits auf dem ersten Teil der Flucht in die Türkei hatten die Fünf einiges auszustehen. 14 Stunden brauchte der Bus für eine Stecke, die sonst in drei Stunden bewältigt ist. Der Grund: Immer wiederkehrende Kontrollen der IS-Truppen, die nach Reisenden nichtislamischen Glaubens suchten. Ein Problem für Familie Hussein, denn sie sind kurdischer Abstammung und zählen zur verfolgten jesidischen Minderheit. Dennoch schaffte man es in die Türkei und von dort nach Bulgarien, wo die gesamte Familie im Gefängnis landete. Mit drei kleinen Kindern eine beängstigende Situation in der ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt und die anschließende Entlassung versprochen wurde. Endlich auf freiem Fuß machten sie sich auf den Weg nach Deutschland zu ihrer Familie. Was keiner wusste, weil es auch keine Übersetzung der Dokumente gab: Familie Hussein hatte in Bulgarien einen Asylantrag gestellt, der auch positiv entschieden wurde. Nach den Europäischen Verträgen zu Dublin III kann somit in Deutschland kein Asylantrag mehr gestellt werden und die Abschiebung nach Bulgarien droht. Nach den erschütternden Erlebnissen in dem Land wollen die Husseins auf keinen Fall dorthin zurück. Mit Hilfe eines Anwaltes wurde nun Widerspruch gegen die sogenannte Rückführungsanordnung eingelegt und Antrag auf humanitäre Duldung gestellt.

Marc Dobkowitz

Bild_zum_Thema 28.03.2015

Grundreinigung im Naturerlebnisraum - Pfadfinder sammelten über 150 Flaschen

Auch die Pfadfinder unserer Gemeinde haben sich in diesem Jahr an der Aktion „Saubere Landschaft“ beteiligt und das Areal des Naturerlebnisraumes von Müll und anderem Unrat befreit. Angesichts der Menge und Art des Mülls war Pastor Dr. Arnd Heling jedoch entsetzt. Über 150 Falschen sammelten die 14 Mitglieder des Stammes „Swentana“ entlang der Wege und in der Senke. In mehr als 100 befand sich einmal Wodka. Hinzu kamen Ablagerungen die über Jahre von Umweltfrevlern in der bislang unzugänglichen Natur abgeladen wurden. Darunter fünf Autoreifen samt Felge und sogar zwei Blechwände eines Geräteschuppens. Die Pfadfinder trugen alleine so viel Unrat zusammen wieder alle übrigen Sammler in Schönwalde, berichteten die Gemeindearbeiter bei der Abfuhr der Säcke vom Pfarrhof. Nur gut, dass der Müll noch vor der Wiedervernässung der Senke entfernt werden konnte.

Besonders unappetitliche Fundstücke waren die etwa 20 Plastikbeutel mit Hundekot die, statt in die heimischen Mülltonne, achtlos in die Natur geworfen wurden. „Es ist bedauerlich, dass einige Wenige die Freiheiten die sich mit dem Naturerlebnisraum bieten, derart mit Füßen treten. Ich hoffe sehr, dass es hier zur Einsicht kommt“, äußerte sich Pastor Arnd Heling erbost. Noch ärgerlicher als die Beutel seien die Hinterlassenschaften der Hunde, die sich regelmäßig mitten auf den Wegen, selbst auf dem Holzbohlenweg, finden. Empört richtete er direkt nach der Säuberungsaktion seinen Appell an die Hundehalter: „Ich setzte auf die Vernunft der Menschen, die sich an der Schönheit der Natur erfreuen, diese auch für andere sauber zu halten. Mögliche Konsequenzen betreffen am Ende alle, nicht nur die Verschmutzer.“

Marc Dobkowitz

Bild_zum_Thema 20.03.2015

Schlaffest im Kindergarten

Für 36 Kinder unseres Kindergartens beginnt mit den Sommerferien ein neuer Abschnitt in ihrem Leben, dem die kleinen bereits entgegenfiebern. Sie kommen in die Schule. Ein großes Abendteuer auf dem Weg dahin erlebten 33 von ihnen kürzlich und feierten traditionell ihr Schlaffest.

Schon am Morgen waren die Kinder ganz aufgeregt, denn die kommende Nacht sollten sie ganz ohne Mama und Papa, nur mit dem liebsten Kuscheltier im Arm und den besten Freunden auf der Matratze nebenan, verbringen. Dafür wurden zum Abend hin die Gruppenräume zu Schlafsälen umfunktioniert. Und damit auch wirklich nichts passiert schliefen natürlich auch die Erzieher im Kindergarten. Mit Einbruch der Dunkelheit begann es spannend zu werden. In zwei Gruppen aufgeteilt ging es auf Schnitzeljagd in den nahegelegenen Wald. Mit Stöcken und orangen Fähnchen wies die erste Gruppe ihren Verfolgern den Weg. Mit Taschenlampen bewaffnet wurden erst die Kinder aufgestöbert, die sich am Ziel bestens versteckt hatten. Gemeinsam wurden dann zwei Schatzkisten gesucht. Am Ende präsentierte jedes Kind stolz einen Stein mit eingraviertem Kreuz.

Wie es sich gehört begann der Tag darauf mit einem gesunden und ausgiebigen Frühstück. Mit dabei war auch Petra Krüger. Die Grundschullehrerin übernimmt im kommenden Schuljahr eine der ersten Klassen an der Friedrich-Hiller-Schule.

Marc Dobkowitz

Bild_zum_Thema 14.03.2015

Flüchtlingscafé und Flohmarkt in der Schule

Alle die zum zweiten Flüchtlings-Café in Schönwalde in die Friedrich-Hiller-Schule gekommen waren, waren begeistert von dem, was sich ihnen bot. In der Aula war mit dem Kinderflohmarkt ein wahres Spielzeug-Paradies entstanden. Das Rote Kreuz hatte ihre derzeit noch mobile Kleiderkammer geöffnet und am Stand des Schulvereins bogen sich die Tische förmlich vor Kuchen und Torten. Mit dabei und kaum wahrzunehmen die Flüchtlinge, die in Schönwalde und Kasseedorf untergebracht sind. Angefangen bei der Schulverbandsvorsteherin Angela Hüttmann, über Kasseedorfs Bürgermeisterin Regina Voß bis hin zu ihrem Schönwalder Amtskollegen Hans-Alfred Plötner und Grundschulrektorin Doris Jürs lobt alle die funktionierende Integration der Asylsuchenden. Plötner überreichte der Rektorin die Spenden, die anlässlich des Neujahrempfanges des Amtes Ostholstein-Mitte gesammelt worden waren. 134,19 Euro helfen nun die Integration im Schulalltag zu beflügeln. Für zwei Kinder sollen neue Schulranzen die völlig ungeeigneten Rucksäcke ersetzen, berichtet Jürs, die sich über die vernetzte und reibungslose Hilfe am Ort lobend äußert. Kleiderspenden, die in der Schule abgegeben werden, finden beispielsweise problemlos den Weg zum Roten Kreuz. Aber auch nötige Unterstützung der Schüler und deren Eltern lässt nach ihrer Aussage nicht lange auf sich warten. Es seien sogar anonyme Spenden auf dem Konto der Schule eingegangen. Eine besondere Fügung sei ein Praktikum ihrer Tochter Madeleine, so Jürs. Sie habe ein kleines Programm ausgearbeitet nachdem in den kommenden Tagen und Wochen Einrichtung wie der Reiterhof der Sozialausschussvorsitzenden Alexandra Schnoor oder die Angebote der Sportvereine besucht werden. Weitere Möglichkeiten um Kontakte zu knüpfen. Madeleine Jürs begleitete auch die Kinder der Flüchtlingsfamilien und ermöglichte ihnen aus Mitteln einer Kirchenkollekte unserer Gemeinde den Einkauf von Spielsachen auf dem Flohmarkt. Dabei unterschieden sich nach ihrer Beobachtung die Vorlieben der Kinder nicht. Jungen suchen Autos und Traktoren, Mädchen Barbie-Puppen und alles was mit Prinzessinnen zu tun hat. Neben den vielen bereits in Listen erfassten freiwilligen Helfern fanden auch „Neue“ den Weg in die Schule um sich zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Darunter eine Familie aus Kniphagen, die zahlreiche gebrauchte Möbel abzugeben hat und ein Vermieter aus Kasseedorf, der wissen wollte, wie er am besten mit seinen neuen Nachbarn umgehen soll.

Marc Dobkowitz

Bild_zum_Thema 13.03.2015

Die Bahamas kennenlernen - Weltgebetstag für Kinder

Das Abenteuerlandteam hatte sich wieder einmal intensiv auf den Weltgebetstag für die Kinder vorbereitet. Neben den bekannten Elementen der Kinderkirche am Nachmittag, kamen viele regionale Aspekte aus den Bahamas dazu.

Mit allen Sinnen konnten die Kinder das Land entdecken. Alkoholfreie Cocktails wurden hergestellt, Fischbrötchen verzehert und schattenspendende Schirmmützen bemalt. In einer Bücherecke konnten sich die Kinder auf einem Floß treiben lassen und mehr über den Inselstaat erfahren. Viel zu schnell verlief die Zeit im Gemeindehaus. In der Kirche warteten die Konfirmanden mit kleinen Spielen und weiteren Informationen zum Land. Die Lieder von Gottes Liebe in einem frischen Stil freuten sich wie immer großer Beliebtheit.
Besonders dankbar waren die Teammitglieder, dass sich zu diesem Treffen auch zahlreiche Flüchtlingskinder mit Müttern eingefunden hatten. In diesem Miteinander kann man die Liebe Gottes erleben wie in dem Gedicht von Sabine Schäfer beschrieben.

Wenn mich Gottes Liebe anrührt,
wenn mich Lebensenergie durchströmt
wenn mich Geistkraft beschwingt und Trost heilt, Freude bewegt, Dankbarkeit erfüllt:
dann endlich bin ich kein „Unglücksrabe“ mehr, kein „schräger Vogel“ mehr,
flügellahm, fremd, stets auf der Flucht, verängstigt und verfolgt.
Wenn mich Gottes Liebe anrührt, aufrichtet und verwandelt, darf ich ganz Mensch sein,
voller Würde und Anmut:
farbenfroh wie ein Schmetterling, leuchtende wie die Sonne,
geheimnisvolltief wie das Meer,
zauberhaft schön wie ein Flamingo.


Treffender geht es nicht!

Angela Hüttmann

Bild_zum_Thema 06.03.2015

Weltgebetstag 2015: Die Frauen der Bahamas erheben ihre Stimme

Was für ein Paradies! Sonne, Genuss und Vergnügen. Flüchtlinge bezahlen ihr Asyl als Trinkgeld am Tresen und in Dollarnoten in den Bikinis willfähriger Gespielinnen. Steuerflüchtlinge sind es, die wahren Asozialen in ihrem aufgekauften Steuerparadies: private Luxusinseln, Jets und Villen unter Palmen am Strand – hin und wieder ein Blick in die Briefkästen der globalen Schwarzgeldwäscher und Banken in der Hauptstadt Nassau. Das ist ihr Leben. Kreuzfahrtschiffe kreuzen, Surfer surfen und Yachten yachten. Fischers Frederico findet keine frischen Fische mehr im von Trawlern überfischten Meer. Korallen sterben mehr und mehr. Das sind die Bahamas.

Seit Christoph Columbus am 12. Oktober 1492 auf San Salvador die sogenannte „neue Welt“ betrat, sind die Inseln der Bahamas Zankapfel und Spielball der Mächtigen. Schon 1520 waren die indianischen Ureinwohner ausgerottet, verendet in den Goldminen Haitis. Sklaven aus Afrika mussten sie ersetzen. Ihre Nachfahren machen heute 85% der Inselbewohner aus. Als ehemalige Kolonie Englands sind die Bahamas seit 1962 souverän.

Heute bringt die Abhängigkeit von zahlungskräftigen Touristen und den Geldanlagen der Reichen zwar vielen Bewohnern einen gewissen Wohlstand; sie ist jedoch auch Ursache einer tiefen Entfremdung. Demütigung von oben zeugt Gewalt nach unten. Vor allem Mädchen und Frauen sind die Opfer. Sexueller Missbrauch ist weit verbreitet und steigt seit Jahren stetig an. Kinder werden etwa doppelt so häufig Opfer wie Erwachsene.

Doch immer mehr Frauen der Bahamas erheben ihre Stimme und wehren sich. Ihr Leben soll nicht mehr bestimmt sein von der Habgier der Habenden und der Genusssucht der Genießer. Die Kraft zum Widerspruch erwächst aus ihrem Glauben an einen Gott, der ihnen ihre volle Würde zuspricht. Nicht zufällig werden die christlichen Gemeinden mehr und mehr zu Orten der Ermutigung und des Widerstandes.

Am Weltgebetstag baten Frauen der Bahamas die Kirchen der Welt um Solidarität für ihren Kampf.

Christoph Huppenbauer (Foto: Marc Dobkowitz)

Bild_zum_Thema 18.02.2015

Judas - Theaterabend am Aschermittwoch

Eine Schar von etwa 60 Menschen ließ sich zu „Judas“ einladen, einem monologischen Theaterstück von Vekemans. Dem Schauspieler Hartmut Lange gelang es, diesen Abend zu einem zu machen, der mich nicht wieder loslassen wird. Lange spielte nicht den Judas - er war es selbst! Seine Eltern hatten ihm einst den Namen gegeben, mit dem er selbst und sein Volk geehrt werden sollten. Ich erinnere mich an die Josefserzählungen – es ist Juda, der bereit ist, sich für seinen Bruder zum Lösegeld zu geben. (Gen 44). Das sollte in Israel unvergesslich bleiben! Und nun steht er hier in der Schönwalder Kirche, und sein Name wurde durch 2000 Jahre zum Schimpfwort! Dieser Judas ist ein Hin- und Hergerisener: Sein Weg führt ihn in den Mittelgang, wo er Auge in Auge mit mir, mit uns allen spricht; wo er uns hineinzieht in seine Träume und Hoffnungen. Immer wieder kehrt er in die Mitte zurück, zum Bild des Jesus im Altar. Wie hat er diesen Jesus geliebt! Er setzt sich ins Adelsgestühl, denkt über die Priesterschaft, die Beamtenriege am Jerusalemer Tempel nach, die so fest und sicher an ihren Stühlen kleben, dabei aber das ganze Volk Israel an den römischen Kaiser verraten! Voller Zorn wirft er die schwere Tür zurück ins Schloss. Wie gut war es, sich auf diesen Jesus einzulassen, der mit ihnen, seinen Zwölfen, etwas Neues wagte, ohne festen Boden unter den Füßen, ohne sich als Besitzer der Wahrheit zu geben. Dieses Schweben zwischen zwei Ufern, dieses Leben mit den Zweifeln, mit dem „schwarzen Loch“, wie Judas es nennt – das war es, was ihn so angezogen hat, nicht die Sicherheit des Lebens und Glaubens! Und dann zerbricht ihm alles, ihm und Jesus zerbricht alles! Wir erleben, wie es Judas zerreißt, und wie doch nichts anders und neu geschrieben werden kann.
Sind wir, die versammelte Gemeinde, dies nicht auch alles selbst, hier und heute?
Dann gibt es eine letzte Frage an mich, an uns: möchtest du deinen Namen mit ihm tauschen? Möchtest du seinen annehmen und deinen hergeben? Tiefer und dringlicher kann ich nicht verwickelt werden.
Wie gut, dass es nach dem letzten Wort des Judas Orgelklänge gab: was J.S. Bach so oft vertont hat „O Haupt voll Blut und Wunden“ / „Wenn ich einmal soll scheiden“.

Dass danach doch noch ein Applaus aufbrandete – es scheint nicht ohne zu gehen! Doch für Hartmut Lange und seine Assistentin Ines Schneider war es dann wohl auch gut so; denn es war wirklich ein Abend geworden, der uns nicht wieder loslassen wird.

Heiko Schierenberg

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