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Konzeption und Ausstattung

Studierende des Seminars für Szenographie und Raumgestaltung der Kunsthochschule Muthesius in Kiel unter Leitung von Frau Prof. Dagmar Schork haben im Sommersemester 2019 die Aufgabe übernommen, eine zeitgemäße Raumgestaltung und Installation der historischen Erinnerungsstücke zu entwickeln.

Es galt, auf engstem Raum, die Zeugnisse der Vergangenheit so unterzubringen, dass sie zur Betrachtung und Auseinandersetzung einladen und zugleich Raum lassen, um gegebenenfalls auch auf aktuelle Geschehnisse einzugehen. Zur Aufgabenstellung gehört daneben u.a. eine adäquate Ausleuchtung, die Entwicklung angemessener Präsentationsformen, Sitzgelegenheiten, die Gestaltung von Fenstern und der Eingangstür sowie konzeptionelle Vorschläge, wie historische oder zeitgeschichtliche Hintergründe vermittelt werden können und nicht zuletzt, wie die Besucherinnen und Besucher mit den Ausstellungsstücken in einen Dialog treten können.

Studentinnen vor den Modellen

Die Studentinnen knüpften, ohne daran gebunden zu sein, an erste Vorschläge von Tobias Mißfeldt aus Lübeck an, der die Renovierung der Schönwalder Kirche übernommen hat. Unter Anleitung von Prof. Dagmar Schork am Seminar für Szenografie und Raumgestaltung arbeiteten Johanna Aranyos, Ana Lopes und Liska Uhe im Team, Pauline Seubert reichte einen eigenen Entwurf ein.

Am 4. Juli präsentierten sie dem Kirchengemeinderat ihre Semesterarbeiten auf hohem professionellen Niveau in der Kunsthochschule. Die Entwürfe sind in den Downloadbereich dieser Homepage eingestellt und abrufbar.




v.l.n.r.: Liska Uhe, Ana Lopes, Johanna Aranyos, Pauline Seubert
vor ihren Modellen und Präsentationen.


Der Kirchengemeinderat entschied sich schließlich, dem Vorschlag von Paulina Seubert zu folgen. Zwar konnte ein wesentlicher Teil ihrer Vorstellung, nämlich eine Innenverglasung des Raumes für weitere Projektionen, nicht verwirklicht werden. Dennoch wird die Anmutung des Raumes ihrem Vorschlag weitgehend entsprechen. Auch der Einsatz moderner Medien, einem Beamer und einem Flachbildschirm, der in ein Lesepult eingelassen wird, ist ihrem Vorschlag entnommen.



Ein besonderer Blickfang wird das neu gestaltete Fenster des Künstlers Jürgen Drewer sein. Sein Erläuterungen zu seinem Entwurf konnten den Kirchengemeinderat sofort überzeigen:

"Blau ist die Farbe des Himmels, der Ferne, der Sehnsucht, der Unendlichkeit und Immaterialität. Johann Wolfgang von Goethe beschreibt sie in seiner Farbenlehre so: "Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche Wirkung. Sie ist als Farbe eine Energie.........."

Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe in ihrem Anblick. Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gerne an, nicht, weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht." Neben der atmosphärischen Bedeutung der Farbe Blau wird ihr eine weitere zugeschrieben: In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass bei einer längeren Betrachtung der Farbe Blau die Atmung verlangsamt wird und Puls sowie Blutdruck sinken.

Mein Gestaltungsvorschlag ist der Thematik des Gedenkens geschuldet. Gedenken findet in der Gemeinschaft, wie auch, allein statt. Gedenken kann bewegt oder auch sehr still und meditativ stattfinden. Gedenken entwickelt nicht nur verhaltene Stimmungen, sondern auch positiv - konstruktive. Dies soll der Anteil an blauen (dunklen) und weißen (hellen) Flächen verdeutlichen.

Die schwarzen Konturen auf der Glasoberfläche assoziiere ich mit Ereignissen auf unseren Lebenswegen, Lebenseinschnitten und Abschnitten, die uns permanent begleiten. Das Assoziative im Betrachter anzuregen, ist für mich in meiner Arbeit gerade im Hinblick auf stille Räume von Bedeutung, da es für das ?Innehalten? dem Menschen eine große Hilfe bieten kann. Hier möchte ich durch meine Arbeit den Besucher in seinem geistigen Prozess anregen."

Jürgen Drewer

Es wird eine wesentliche Aufgabe der Architektur in Zukunft sein, Ideen zur erweiterten Nutzung von Kirchräumen zu entwickeln. Es gibt diverse Ansätze, die darauf warten realisiert zu werden. Meist fehlt es jedoch an Mut und Geld. Dass aber gerade eine so kleine Kirche wie Schönwalde sich dazu tatkräftig entschließt hierin neue Wege zu gehen braucht alle denkbare Unterstützung.
Prof. Tobias Mißfeldt